Text-Schnipsel

Kleine Häppchen aus meinen Büchern:

Der König der Schatten

2. Teil: Die Dunklen Herrscher

Kapitel 5: Der Flug des Raben

... auf Cahals Kommando stürzte sich der Schwarm Krähen auf die Frau. Sie attackierten sie mit Krallen und Schnäbeln, rissen an ihren Haaren, pickten nach ihren Händen und veranstalteten dabei einen Höllenlärm. Die schwachen Schreie der alten Zofe gingen im Kreischen der Vögel unter. Ihr blieb nichts anderes übrig, als ihren Kopf mit den Händen zu schützen. Sie schlug um sich, und als ihr endlich der Schlüssel aus der Hand fiel, packte ihn der große Rabe und machte sich schleunigst davon. Noch bevor die Wachen sich endlich dazu entschlossen hatten, der verdammten Hexe (sie hatte eigentlich verdient, von den Krähen gefressen zu werden) doch zu helfen, waren auch die Krähen verschwunden. Zurück blieb eine verwirrte, zerzauste, gebrechliche Frau, die mit kurzsichtigen Augen keuchend den Boden nach dem verlorenen Schlüssel abtastete...

 

1. Teil: Die Erwählten

Kapitel 6: Die Halle des Schweigens

... ich kam gerade zusammen mit meiner Mutter, noch ein tapsiger Zweijähriger, an ihrem Rockzipfel geklammert, von einem abendlichen Spaziergang zurück. Die kleine Eule saß auf einer Mauer, aufgeplustert, wie eine gefiederte Majestät, die in ihrer Gedankenarbeit unterbrochen, uns mit ihren kreisrunden, gelben Augen vorwurfsvoll anstarrte. Sie dachte nicht im Traum daran, auch nur ein Stück beiseite zu rücken, als ich mich ihr näherte und versuchte unbeholfen ihre weichen Federn zu berühren. Sie ließ es geduldig geschehen, drehte den Kopf zu meiner Belustigung nach hinten, drehte den Kopf nach vorn, nach hinten und wieder nach vorn, bis sie mir schließlich mit ihrem spitzen, scharfen Schnabel zu verstehen gab, dass die Audienz hiermit beendet war. 

 

... oben auf dem Altar saß ein Rabe, ein tiefschwarzer großer Rabe. Als er den Kopf zu mir hinunter wandte, stellte ich fest, dass eines seiner Augen erblindet war. Und trotzdem konnte dieses milchig trübe Auge bis tief in meine Seele hineinschauen. "Komm zu mir, komm zu mir, Cahal", krächzte er. Ich stieg wie in Trance die Stufen hinauf zum Altar, und, als ich näherkam, sah ich, wie er aus seinem Schnabel blutete ....


Kapitel 10: Schwarze und weiße Steine

... überhaupt, Cahal war in der letzten Zeit still und in sich gekehrt gewesen. Während meine Gefährten sein Verhalten auf seine Launenhaftigkeit zurückführten, ahnte ich längst, was in seinem Inneren vorging. Er hatte das erste Mal in seinem Leben - wenn auch auf Wunsch der Götter - einen Menschen getötet. Er würde in Zukunft noch viele Menschen töten und verfolgt von ihren Schatten, viele schlaflose Nächte verbringen.

 

Der Hexenmeister, die Macht ...

5. Teil: Kieran Duncan

Kapitel 7: Der Sturm

... als der König schließlich mit seinem Gefolge vor das Tor des Palastes trat, gab er vor Entsetzen einen langgezogenen Klagelaut von sich. Seine einst so prächtige Stadt war in eine Ruine verwandelt worden, eine graue Ruine, voll mit übel riechendem Staub, der sich in den Straßen und auf den noch erhaltenen Dächern niedergelegt hatte. Vorsichtig wurden nun auch die Klappen der unterirdischen Gänge, in die sich die meisten Bewohner in Sicherheit gebracht hatten, aufgeschlossen und die bleichen noch vor Angst zitternden Kreaturen schlichen mechanisch wie lebende Tote auf den Palast zu, um jetzt zu erfahren, was ihr König zu tun gedachte. Es war die schlimmste Katastrophe, die Kieran in seiner Regierungszeit erlebt hatte, denn bis jetzt war sein Land immer einigermaßen glimpflich davongekommen ...

 

... ich sollte mich irren. Guy Macenay, Zweiter Priester, und jetzt engster Vertrauter von König Kieran, kehrte mit genügend Pulver für den gesamten Palast zurück. Wie hatte er mit den Dunklen Herrschern verhandelt? Er verzog sein Gesicht zu seinem typisch abfälligen Grinsen, als ich ihn staunend anschaute, aber mich nicht getraute ihn anzusprechen. Die Antwort erhielt ich, als er den Arm hob, um seine Haare aus der Stirn zu streifen. Dabei entblößte der Ärmel seines Gewandes den Verband um sein Handgelenk, aus dem noch das frische Blut einer Schnittwunde heraus sickerte. Mir wurde übel. Er war offenbar selbst das Opfer. Aber was mich am meisten entsetzte, er war im Niemandsland gewesen, sie hatten ihn hereingelassen, sie hatten ihn wieder herausgelassen – sie hatten ihn zu uns zurückgeschickt. Wer bist du, Guy Macenay? Was hast du vor?

 

7. Teil: Der Schwarze II

Kapitel 5: Guy Macenay ist gezwungen eine Reise in die Vergangenheit zu machen

... damals glaubte er, endlich frei zu sein. Sein kurzer Triumph und die wenigen Jahres des unbeschwerten Glücks endeten blutig vor dem Opferaltar. Er hatte anschließend wie ein Feigling versucht, dem Gericht der Dunklen zu entkommen. Er wurde gejagt, bis er endlich weinend vor Reue seinen Dunklen Meister um Gnade anflehte. Die Dunklen Herrscher wandten sich jedoch angewidert von ihm ab, und sein Schluchzen sollte noch lange zwischen den Mauern des schwarzen Palastes im Niemandsland widerhallen, als die Gespenster seines ermordeten Volkes an ihm – dem König der Schatten – vorüberzogen.

Die Anderen

Zehnte Geschichte aus dem Schwarzen Land

... "ich persönlich erwähle hiermit den Hund!" Chadh bekräftigte seine Entscheidung mit einem Schlag mit der Faust auf die Tischplatte. "Ich schätze seine absolute Treue gegenüber seinem Herrn, seinen Mut, seine Wachsamkeit und falls ihr euch daran erinnert, auch er ist ein Begleiter vieler unserer Götter. Unvergessen sind mir selbst unsere großartigen Wolfshunde, die unsere Herden schützen. Sie sind die wahren, tapferen Krieger!" 

 

Die Katze, der Traum ...

Die Götter:

... nur, ich konnte nicht untätig bleiben. Ich ging ein Wagnis ein. Ich verließ zum ersten Mal in meinem Leben den schützenden Palast und suchte die Götter auf. Die mussten es wissen – wozu waren sie Götter.

Das Ergebnis war niederschmetternd. Die freundliche Katzengöttin Bastet ließ ratlos ihre Schnurrhaare hängen. Die Löwengöttin Sachmet brüllte mich übellaunig an. Horus, der Falkengott war ausgeflogen. Die Kuhgöttin Hathor wandte sich beleidigt von mir ab, weil ich sie angeblich eine fette Kuh nannte, der ibisköpfige Gott der Weisheit versprühte so viel Weisheit, dass mir im Kopf ganz schwindlig wurde (aber den Traum konnte auch er nicht deuten). Und der Krokodilgott Sobek gab mir unmissverständlich zu verstehen, dass er mich zum Fressen gern hatte. Ich nahm noch einmal allen Mut zusammen und schlich hinab in die Unterwelt zu Anubis dem Schakalgott. Was gingen ihn überhaupt Kühe an – fette oder magere? Auf ihn warteten jede Menge Mumien, die er noch anständig ins Jenseits bringen musste und ich sollte gefälligst nicht seine kostbare Zeit stehlen ...